Akupressur gilt als eine der zugänglichsten Selbstbehandlungsmethoden aus der traditionellen chinesischen Medizin, da sie ohne Hilfsmittel und ohne Einstiche auskommt. Dieser Beitrag ordnet ein, was Akupressur ist, für welche Anwendungsgebiete die Forschung am ehesten Hinweise auf eine Wirkung liefert, und worauf Sie bei der Selbstanwendung achten sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- Akupressur nutzt Druck statt Nadeln auf Punkte entlang sogenannter Meridiane.
- Am besten belegt ist der P6-Punkt am Unterarm zur Linderung von Übelkeit.
- Für andere Anwendungsgebiete wie Schmerzen ist die Studienlage begrenzter.
- In der Schwangerschaft sollten bestimmte Punkte nur nach Rücksprache angewendet werden.
Was Akupressur ist und wie sie sich von Akupunktur unterscheidet
Akupressur basiert auf denselben theoretischen Grundlagen wie die Akupunktur, insbesondere dem Konzept bestimmter Punkte entlang sogenannter Meridiane, die in der traditionellen chinesischen Medizin mit dem Energiefluss im Körper in Verbindung gebracht werden.
Der wesentliche Unterschied liegt in der Anwendung: Während bei der Akupunktur feine Nadeln in die Haut eingeführt werden, wird bei der Akupressur gezielter Druck mit den Fingern oder Handballen ausgeübt, ohne die Haut zu verletzen.
Was die Forschung zu Akupressur zeigt
Die wissenschaftliche Evidenzlage zu Akupressur ist insgesamt uneinheitlich und variiert stark je nach untersuchtem Anwendungsgebiet. Am besten untersucht und vergleichsweise am ehesten mit einem positiven Effekt verbunden ist die Anwendung des P6- oder Neiguan-Punktes am Unterarm zur Linderung von Übelkeit, etwa bei Reisekrankheit, in der Schwangerschaft oder nach Operationen.
Für viele andere postulierte Anwendungsgebiete ist die Studienlage deutlich begrenzter und die Ergebnisse fallen uneinheitlicher aus.
Der P6-Punkt als am besten untersuchtes Beispiel
Mehrere Studien und systematische Übersichtsarbeiten deuten darauf hin, dass Druck auf den P6-Punkt am Unterarm, entweder manuell oder mittels spezieller Akupressur-Armbänder, mit einer Linderung von Übelkeit einhergehen kann. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt, diskutiert werden Effekte auf das vegetative Nervensystem sowie eine Beeinflussung der Übelkeitswahrnehmung.
Was für andere Anwendungsgebiete gilt
Für Akupressur bei Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Schlafproblemen oder allgemeiner Stressreduktion liegen zwar einige Studien vor, die Studienqualität ist jedoch häufig eingeschränkt, etwa durch kleine Teilnehmerzahlen oder Schwierigkeiten bei der Verblindung. Insgesamt wird die Evidenzlage für diese Anwendungsgebiete häufig als vorläufig, aber nicht ausreichend abgesichert eingeschätzt.
| Anwendungsgebiet | Wie gut belegt |
|---|---|
| Übelkeit (P6-Punkt) | Vergleichsweise am besten belegt |
| Schmerzlinderung allgemein | Begrenzt belegt, uneinheitlich |
| Stressreduktion | Begrenzt belegt |
| Schlafprobleme | Begrenzt belegt |
| Heilung ernsthafter Erkrankungen | Nicht ausreichend belegt |
Häufige Missverständnisse
Ein verbreitetes Missverständnis lautet, Akupressur wirke bei jeder Art von Beschwerden gleich gut, dabei unterscheidet sich die Evidenzlage stark je nach Anwendungsgebiet. Ähnlich verbreitet ist die Annahme, Akupressur könne ernsthafte Erkrankungen heilen, dabei gibt es dafür keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage.
Viele denken zudem, nur ausgebildete Praktizierende könnten Akupressur wirksam anwenden, dabei ist für einfache Selbstanwendungen keine spezielle Ausbildung notwendig. Und schließlich wird oft angenommen, Akupressur habe keinerlei Kontraindikationen, obwohl in der Schwangerschaft bestimmte Punkte nur mit Vorsicht angewendet werden sollten.
Worauf Sie bei der Selbstanwendung achten sollten
Realistische Erwartungen sind wichtig, die solideste Evidenz liegt für Übelkeit vor. Ein angemessener, spürbarer, aber nicht schmerzhafter Druck gilt als Richtwert, um Gewebereizungen zu vermeiden.
Die Punktlokalisation sollte sorgfältig vorgenommen werden. Bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden sollte eine ärztliche Abklärung nicht durch Akupressur ersetzt werden.
Häufige Fehler im Umgang mit Akupressur
Ein häufiger Fehler ist, Akupressur als alleinige Behandlung bei ernsthaften oder unklaren gesundheitlichen Beschwerden zu nutzen, statt eine ärztliche Abklärung in Anspruch zu nehmen. Ähnlich riskant ist es, in der Schwangerschaft bestimmte Punkte ohne vorherige Rücksprache mit Fachpersonal anzuwenden.
Manche üben zudem übermäßig starken Druck aus, in der Annahme, dies verstärke die Wirkung. Und bei Hauterkrankungen oder offenen Wunden im betroffenen Bereich wird gelegentlich dennoch Druckanwendung durchgeführt.
Fazit: Eine zugängliche Methode mit unterschiedlich gut belegten Anwendungsgebieten
Akupressur ist eine leicht zugängliche Selbstbehandlungsmethode, deren wissenschaftliche Evidenzlage stark vom jeweiligen Anwendungsgebiet abhängt. Am besten belegt ist die Anwendung des P6-Punktes zur Linderung von Übelkeit, während für viele andere Anwendungsgebiete die Studienlage deutlich begrenzter ausfällt. Akupressur kann als ergänzende Selbstanwendung sinnvoll sein, ersetzt aber keine notwendige ärztliche Abklärung.
