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Herzrasen und Stress: Wie beides zusammenhängt

Herzrasen und Stress: Wie beides zusammenhängt

Das Herz schlägt plötzlich spürbar schneller, manchmal begleitet von einem flauen Gefühl in der Brust: Herzrasen gehört zu den häufigsten Symptomen, die Menschen in Stresssituationen erleben. Dieser Beitrag ordnet ein, was im Körper bei Herzrasen passiert, welche Rolle Stress dabei spielt, wann diese Symptome in der Regel harmlos sind, und an welchen Warnzeichen Sie erkennen, dass ärztliche Abklärung notwendig ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Herzrasen bei Stress entsteht durch die körpereigene Adrenalinausschüttung und ist meist harmlos.
  • Anhaltendes oder wiederkehrendes Herzrasen ohne erkennbaren Auslöser sollte ärztlich abgeklärt werden.
  • Bewusste, langsame Atmung kann akutes, stressbedingtes Herzrasen häufig lindern.
  • Bei Herzrasen mit Brustschmerz, Atemnot oder Ohnmacht ist sofort der Notruf zu verständigen.

Was Herzrasen medizinisch bedeutet

Als Herzrasen, medizinisch Tachykardie, wird eine Herzfrequenz von deutlich über 100 Schlägen pro Minute in Ruhe bezeichnet. Davon zu unterscheiden ist das sogenannte Herzstolpern oder Herzklopfen, medizinisch als Palpitationen bezeichnet, bei dem der Herzschlag als unregelmäßig, aussetzend oder besonders kräftig wahrgenommen wird, ohne dass zwingend eine erhöhte Frequenz vorliegen muss.

Beide Phänomene können durch harmlose, vorübergehende Auslöser entstehen, aber auch auf zugrunde liegende Herzrhythmusstörungen oder andere medizinische Ursachen hinweisen, weshalb eine sorgfältige Einordnung wichtig ist.

Die Rolle von Stress und dem autonomen Nervensystem

Bei akutem Stress schüttet der Körper Adrenalin und andere Stresshormone aus, die Teil der sogenannten „Kampf oder Flucht“-Reaktion sind. Diese Hormone erhöhen gezielt Herzfrequenz und Blutdruck, um den Körper kurzfristig leistungsfähiger zu machen. Diese Reaktion wird über den sogenannten Sympathikus gesteuert, den aktivierenden Teil des autonomen Nervensystems.

Bei anhaltendem oder chronischem Stress kann dieser Zustand häufiger und intensiver auftreten, was von vielen Menschen als besonders unangenehm und teils beängstigend erlebt wird, obwohl der zugrunde liegende Mechanismus in den meisten Fällen keine akute Gefahr darstellt.

Wann Herzrasen typischerweise harmlos ist

Herzrasen nach körperlicher Anstrengung, in aufregenden emotionalen Situationen, nach dem Konsum von Koffein, Alkohol oder Nikotin, sowie bei akutem, situativem Stress gilt in der Regel als unbedenklich und klingt üblicherweise innerhalb weniger Minuten von selbst wieder ab.

Auch Angstzustände und Panikattacken gehen häufig mit spürbarem Herzrasen einher, ein Zusammenhang, der gut erforscht ist und primär auf die gleiche Stresshormon-Ausschüttung zurückgeht. In diesen Situationen normalisiert sich der Herzschlag meist von selbst, sobald die auslösende Situation vorüber ist oder beruhigende Maßnahmen wirken.

Wann Herzrasen ein Warnsignal sein kann

Eine ärztliche Abklärung mittels EKG oder Langzeit-EKG kann zuverlässig unterscheiden, ob eine harmlose oder eine behandlungsbedürftige Ursache vorliegt.
Eine ärztliche Abklärung mittels EKG oder Langzeit-EKG kann zuverlässig unterscheiden, ob eine harmlose oder eine behandlungsbedürftige Ursache vorliegt.

Anhaltendes, wiederkehrendes oder besonders schnelles Herzrasen, das nicht durch offensichtliche Auslöser wie Sport oder Aufregung erklärbar ist, kann auf Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern hinweisen, eine der häufigsten behandelbaren Herzrhythmusstörungen überhaupt.

Auch Schilddrüsenüberfunktion, bestimmte Medikamente, Anämie oder andere internistische Ursachen können Herzrasen auslösen. Eine ärztliche Abklärung, häufig mittels EKG oder Langzeit-EKG, kann zuverlässig unterscheiden, ob eine harmlose oder eine behandlungsbedürftige Ursache vorliegt.

SituationMerkmalEmpfehlung
Nach Sport oder AufregungKlingt innerhalb weniger Minuten abIn der Regel unbedenklich
Nach Koffein oder AlkoholZeitlich klar zuordenbarKonsum beobachten, meist unbedenklich
Bei akutem Stress oder AngstBegleitet von Anspannung, klingt mit der Situation abBeruhigungstechniken helfen oft
Ohne erkennbaren Auslöser, wiederkehrendUnregelmäßig, anhaltendÄrztliche Abklärung empfohlen
Mit Brustschmerz, Atemnot, OhnmachtPlötzlich, stark, begleitet von weiteren SymptomenSofortige ärztliche Notfallversorgung

Wie Sie mit stressbedingtem Herzrasen umgehen können

Bewusste, langsame Atmung, insbesondere eine verlängerte Ausatmung, aktiviert über den Vagusnerv den beruhigenden, parasympathischen Teil des Nervensystems und kann akutes, stressbedingtes Herzrasen spürbar lindern. Auch das bewusste Wahrnehmen der Situation, ohne sich zusätzlich in Angst vor dem Herzrasen selbst hineinzusteigern, kann helfen, da Angst vor dem Symptom das Herzrasen paradoxerweise oft verstärkt.

Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit chronischem Stress werden mit einer insgesamt geringeren Häufigkeit stressbedingter Herzrasen-Episoden in Verbindung gebracht.

Häufige Missverständnisse

Ein verbreitetes Missverständnis lautet, Herzrasen bedeute immer eine ernsthafte Herzerkrankung, dabei ist es in den meisten Fällen harmlos und situativ bedingt. Ähnlich verbreitet ist die Annahme, nur ältere Menschen bekämen Herzrhythmusstörungen, dabei können auch jüngere Menschen betroffen sein.

Viele denken zudem, wenn sie sich ruhig fühlten, könne es nicht am Stress liegen, dabei kann auch unterschwelliger, chronischer Stress Herzrasen auslösen. Und schließlich wird oft angenommen, ein einmaliges EKG schließe alle Herzrhythmusstörungen aus, dabei werden manche Rhythmusstörungen erst durch ein Langzeit-EKG zuverlässig erfasst.

Worauf Sie achten sollten

Ein kurzes Notieren von Zeitpunkt, Dauer und möglichen Auslösern hilft bei der ärztlichen Einordnung. Auch der Konsum von Koffein, Alkohol und Nikotin sollte beobachtet werden, da diese Substanzen Herzrasen begünstigen oder verstärken können.

Stressmanagement sollte nicht unterschätzt werden, regelmäßige Entspannungstechniken können die Häufigkeit stressbedingter Episoden reduzieren. Wichtig ist zudem, nicht bei jedem Herzschlag in Panik zu verfallen, da übermäßige Angst vor dem Symptom selbst zu vermehrtem Herzrasen führen kann.

Häufige Fehler im Umgang mit Herzrasen

Ein häufiger Fehler ist, wiederkehrendes, unerklärliches Herzrasen wiederholt zu ignorieren, statt es ärztlich abklären zu lassen. Ähnlich riskant ist es, bei akutem Herzrasen mit Warnsymptomen wie Brustschmerz zu lange abzuwarten, statt sofort Hilfe zu holen.

Manche behandeln stressbedingtes Herzrasen zudem ausschließlich mit Beruhigungsmitteln, ohne die zugrunde liegenden Stressfaktoren anzugehen. Und nicht selten steigern sich Betroffene durch die Angst vor dem Herzrasen selbst zusätzlich in einen Kreislauf aus Anspannung und verstärktem Symptom hinein.

Fazit: Meist harmlos, aber ernst zu nehmendes Signal

Herzrasen im Zusammenhang mit Stress ist häufig, gut erklärbar durch die körpereigene Stressreaktion, und in den meisten Fällen ungefährlich. Gleichzeitig kann Herzrasen auch ein Hinweis auf behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörungen oder andere medizinische Ursachen sein, insbesondere wenn es ohne erkennbaren Auslöser, wiederkehrend oder in Kombination mit weiteren Warnsymptomen auftritt.

Eine sorgfältige Beobachtung der eigenen Symptome und eine rechtzeitige ärztliche Abklärung bei Unsicherheit sind der sicherste Weg, harmlose von ernsthafteren Ursachen zu unterscheiden.

Häufige Fragen zu Herzrasen und Stress

Kann Stress allein Herzrasen auslösen, ohne dass eine Herzerkrankung vorliegt?+

Ja, akuter und chronischer Stress lösen über die körpereigene Stresshormon-Ausschüttung häufig Herzrasen aus, ohne dass eine zugrunde liegende Herzerkrankung vorliegen muss.

Wie kann ich stressbedingtes Herzrasen akut beruhigen?+

Bewusste, langsame Atmung mit verlängerter Ausatmung aktiviert den beruhigenden Teil des Nervensystems und kann akutes Herzrasen häufig lindern.

Wann sollte ich bei Herzrasen den Notruf wählen?+

Bei Herzrasen in Kombination mit Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel oder Ohnmacht sollte unverzüglich der Notruf verständigt werden.

Kann ein normales EKG eine Herzrhythmusstörung sicher ausschließen?+

Nicht immer, manche Rhythmusstörungen treten nur zeitweise auf und werden erst durch ein Langzeit-EKG zuverlässig erfasst.

Können Koffein oder Alkohol Herzrasen verstärken?+

Ja, beide Substanzen können Herzrasen auslösen oder bestehende Episoden verstärken, weshalb ein bewusster Konsum sinnvoll sein kann.

Ist Herzrasen bei Angst oder Panikattacken gefährlich?+

In der Regel nicht, es handelt sich um eine bekannte, gut erforschte körperliche Begleiterscheinung von Angstzuständen, dennoch sollte bei Unsicherheit ärztlicher Rat eingeholt werden.

Studien und weiterführende Quellen

Die folgenden Quellen unterstützen die allgemeinen Informationen in diesem Artikel.

Stress and cardiac arrhythmia: a review of mechanisms

PMC / NCBI

Palpitations: evaluation and management

PMC / NCBI

Atrial fibrillation: epidemiology and clinical presentation

PMC / NCBI

Anxiety and cardiac symptoms: a review

PMC / NCBI