Herzgesundheit · Schlafapnoe

Schlafapnoe und ihr Einfluss auf das Herz-Kreislauf-Risiko

Schlafapnoe und ihr Einfluss auf das Herz-Kreislauf-Risiko

Schlafapnoe gehört zu den häufigsten, aber gleichzeitig am stärksten unterdiagnostizierten schlafbezogenen Atmungsstörungen und wird in ihrer Bedeutung für die Herzgesundheit von Betroffenen sowie in der öffentlichen Wahrnehmung häufig deutlich unterschätzt. Dieser Beitrag ordnet ein, was bei Schlafapnoe im Körper geschieht, was die Forschung zum Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und Herz-Kreislauf-Risiko zeigt, welche Warnsymptome auf eine mögliche Schlafapnoe hindeuten können, und welche Behandlungsansätze zur Verfügung stehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schlafapnoe führt zu wiederholten Atempausen und Sauerstoffabfällen während des Schlafs.
  • Ein deutlich erhöhtes Risiko für Bluthochdruck ist gut belegt.
  • Auch Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit und Schlaganfall werden mit Schlafapnoe in Verbindung gebracht.
  • Die CPAP-Therapie gilt als wirksamste Standardbehandlung.

Was bei Schlafapnoe im Körper geschieht

Bei obstruktiver Schlafapnoe verengen sich die Atemwege während des Schlafs.
Bei obstruktiver Schlafapnoe verengen sich die Atemwege während des Schlafs.

Bei der obstruktiven Schlafapnoe entspannt sich die Rachenmuskulatur während des Schlafs übermäßig, wodurch sich die Atemwege verengen und die Atmung für Sekunden bis teilweise über eine Minute aussetzen kann, mehrere hundert Male pro Nacht.

Jede Atempause führt zu einem Sauerstoffabfall sowie einer kurzen, meist unbemerkten Weckreaktion. Die seltenere zentrale Schlafapnoe entsteht durch eine gestörte Atemsteuerung im Gehirn selbst.

Was die Forschung zum Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und Herz-Kreislauf-Risiko zeigt

Studien zeigen einen deutlichen Zusammenhang mit Bluthochdruck.
Studien zeigen einen deutlichen Zusammenhang mit Bluthochdruck.

Unbehandelte Schlafapnoe ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für Bluthochdruck assoziiert, da wiederholte Sauerstoffabfälle das sympathische Nervensystem aktivieren, was sich über die Zeit verfestigen kann.

Auch Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit und Schlaganfall treten bei unbehandelter Schlafapnoe häufiger auf. Ein wechselseitiger Zusammenhang mit Herzinsuffizienz wird zunehmend erforscht.

Welche Warnsymptome auf eine mögliche Schlafapnoe hindeuten können

Lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atempausen wird meist von der Partnerin oder dem Partner bemerkt, während Betroffene selbst die Atempausen aufgrund der unbemerkten Weckreaktionen oft nicht wahrnehmen.

Ausgeprägte Tagesmüdigkeit trotz ausreichender Schlafdauer sowie morgendliche Kopfschmerzen sind weitere Warnsymptome. Schlafapnoe betrifft nicht nur übergewichtige Menschen.

Wie eine Schlafapnoe diagnostiziert wird

Die ambulante Polygraphie ist meist die erste diagnostische Stufe.
Die ambulante Polygraphie ist meist die erste diagnostische Stufe.

Die Diagnose beginnt mit einer Anamnese, gefolgt von einer ambulanten Polygraphie, bei der ein tragbares Messgerät für eine Nacht Atmung, Sauerstoffsättigung und Schnarchen aufzeichnet.

Bei komplexeren Befunden folgt eine Polysomnographie im Schlaflabor, die den Apnoe-Hypopnoe-Index bestimmt und den Schweregrad in leicht, mittelschwer oder schwer einteilt.

SymptomCharakteristik
Lautes Schnarchen mit AtempausenMeist von Partner/in bemerkt, nicht vom Betroffenen selbst
Ausgeprägte TagesmüdigkeitTrotz ausreichender Schlafdauer, oft fehlgedeutet
Morgendliche KopfschmerzenDurch nächtliche Sauerstoffabfälle bedingt

Häufige Missverständnisse

Ein verbreitetes Missverständnis lautet, Schnarchen bedeute automatisch eine Schlafapnoe, dabei ist erst das Muster aus Schnarchen und Atemaussetzern relevant. Ähnlich verbreitet ist die Annahme, Schlafapnoe betreffe nur stark übergewichtige Menschen, dabei können auch Normalgewichtige erkranken.

Viele denken zudem, wer viele Stunden schlafe, könne keine Schlafapnoe haben, dabei sagt die reine Schlafdauer nichts über die Schlafqualität aus. Und schließlich wird oft angenommen, Schlafapnoe sei nur ein Schlafproblem, obwohl ein deutlicher kardiovaskulärer Zusammenhang belegt ist.

Welche Behandlungsansätze zur Verfügung stehen

Die CPAP-Therapie gilt als wirksamste Standardbehandlung.
Die CPAP-Therapie gilt als wirksamste Standardbehandlung.

Die CPAP-Therapie hält die Atemwege über eine Maske mit leichtem Überdruck offen und gilt als wirksamste Behandlung. Gewichtsreduktion kann bei bestehendem Übergewicht deutliche Verbesserungen bringen.

Eine Anpassung der Schlafposition kann helfen, wenn die Schlafapnoe überwiegend in Rückenlage auftritt. Zahnärztliche Unterkieferschienen können bei leichterer Ausprägung eine Alternative darstellen.

Häufige Fehler im Umgang mit Verdacht auf Schlafapnoe

Ein häufiger Fehler ist, lautes Schnarchen mit Atempausen über längere Zeit zu ignorieren. Ähnlich riskant ist es, ausgeprägte Tagesmüdigkeit vorschnell auf Stress zurückzuführen.

Manche berücksichtigen bei schwer einstellbarem Bluthochdruck die mögliche Rolle einer Schlafapnoe nicht, oder brechen eine verordnete CPAP-Therapie vorzeitig ab.

Fazit: Ein unterschätzter, aber gut behandelbarer kardiovaskulärer Risikofaktor

Schlafapnoe stellt über mehrere Mechanismen einen eigenständigen und gut belegten Risikofaktor für Bluthochdruck sowie weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar, der in der öffentlichen Wahrnehmung häufig unterschätzt wird. Da wirksame Behandlungsansätze zur Verfügung stehen, lohnt sich bei entsprechenden Warnsymptomen eine schlafmedizinische Abklärung.

Häufige Fragen zu Schlafapnoe und Herzrisiko

Was passiert bei Schlafapnoe im Körper?+

Die Atemwege verengen sich während des Schlafs wiederholt, was zu Atempausen, Sauerstoffabfällen und unbemerkten Weckreaktionen führt.

Warum erhöht Schlafapnoe das Risiko für Bluthochdruck?+

Die wiederholten Sauerstoffabfälle aktivieren das sympathische Nervensystem, was Blutdruck und Herzfrequenz erhöht und sich über Zeit verfestigen kann.

Welche Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden mit Schlafapnoe in Verbindung gebracht?+

Bluthochdruck, Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall sowie ein wechselseitiger Zusammenhang mit Herzinsuffizienz.

Welche Warnsymptome deuten auf Schlafapnoe hin?+

Lautes Schnarchen mit Atempausen, ausgeprägte Tagesmüdigkeit sowie morgendliche Kopfschmerzen.

Betrifft Schlafapnoe nur übergewichtige Menschen?+

Nein, auch normalgewichtige Menschen können an Schlafapnoe erkranken, insbesondere bei bestimmten anatomischen Gegebenheiten.

Welche Behandlung gilt als Standard bei Schlafapnoe?+

Die CPAP-Therapie gilt als wirksamste Standardbehandlung bei mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe.

Studien und weiterführende Quellen

Die folgenden Quellen unterstützen die allgemeinen Informationen in diesem Artikel.

Obstructive sleep apnea and cardiovascular disease: mechanisms and clinical evidence

PMC / NCBI

Sleep apnea and hypertension: a bidirectional relationship

PMC / NCBI

CPAP therapy and cardiovascular outcomes in obstructive sleep apnea: a systematic review

PMC / NCBI